Aus dem Bistum Seite 4 - St-Katharina Gläserzell

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Aus dem Bistum Seite 4

Aus dem Bistum

Fleischkonsum ohne Gewissen

 

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

 

 

„Und wir: Zuschauer, immer, überall…“, so hält uns Rainer Maria Rilke in seiner achten Elegie einen Spiegel vor. Wir, zwar informiert, aber doch gleichgültig und teilnahmslos. Das trifft in vielen Bereichen zu, auch angesichts der fatalen Massentierhaltung. Tiere werden in Mastfabriken zu Instrumenten der Fleischproduktion. Im Jahr 2013 wurden hierzulande in modernen Anlagen 730 Millionen Tiere geschlachtet, im Minutentakt, oft auf grausame Weise. Das geschieht in riesigen Tötungsfabriken auf dem Lande, die Transporter fahren bevorzugt nachts dorthin, auf den Werbeflächen der Autos lachen uns die gequälten Tiere auch noch an.

 

Jedes Stück Fleisch stammt von einem Lebewesen, selten aber aus artgerechter Haltung. Es gibt bei uns Vorschriften und Gesetze für alles, auch für Massentierhaltung, aber viel zu wenig Kontrollen. Die industrielle Fleischproduktion stellt die traditionelle Tierhaltung auf den Kopf: Bäuerliche Gesellschaften hielten vormals Tiere niemals allein wegen des Fleisches, deren Zahl hing davon ab, wie viel Futter und Weideflächen verfügbar waren. Wo aber heute Hühner, Schweine und Rinder als Massenware in klimatisierten Ställen gemästet werden, sind Weideflächen unnötig. Das Futter stellt die Industrie aus Mais, Gerste und Soja her.

 

Will man das ändern, müssen wir dringend zu einem verantworteten Konsum kommen. Der ist aber so wenig zu verordnen wie die Wertschätzung von Lebensmitteln oder das Mitgefühl mit den leidenden Tieren in Massenställen und Schlachtfabriken. Umdenken, Umkehr und Verzicht im Sinne der bevorstehenden Fastenzeit sind dringend geboten. Unser Papst Franziskus bringt es in seiner Botschaft zur österlichen Bußzeit 2014 auf den Punkt: „Ein Verzicht, der den Aspekt der Buße nicht einschließt, wäre bedeutungslos.“

 

Zur Begründung des besonderen Verhältnisses Mensch-Tier lohnt es sich, die Bibel aufzuschlagen und das zweite Kapitel des Buches Genesis zu bedenken. Adam soll nach Gottes Willen die Tiere benennen, die ihm zugeführt werden, ihnen einen Namen geben (vgl. Gen 2, 19 + 20): Ein tiefgründiges, schönes und fast poetisches Bild vom Besonderen des Mensch-Tier-Gott-Verhältnisses und die Frage, wie echte Menschwerdung geht. Wenn der erste Mensch den Tieren einen Namen gibt, heißt dies, dass er sich in ein Vertrauensverhältnis zu ihnen begeben soll. Ein „Erfahrungswissen über die Naturen der Tiere“ soll er sich aneignen, sagt der große Theologe Thomas von Aquin.

 

Wie der alte Adam sollte auch Jesus Christus vor seinem öffentlichen Wirken das Besondere der Tiere am eigenen Leibe erfahren: „Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm“, heißt es im Markus-Evangelium (1, 13). Und des Herrn Auftrag gilt auch heute und hat unabsehbare Konsequenzen: „Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16, 15). Die dringende Frage wartet auf Antwort: Wie gehen wir mit unseren Mitgeschöpfen um? Welche Antwort geben Sie und ich?

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